Anteil nehmen in Zeiten von Corona

Auch und gerade in Zeiten von Corona sterben und trauern Menschen.
Wie soll ich bei Kontaktverbot zeigen, dass ich mich den Angehörigen verbuden fühle? Wie soll ich meine Anteilnahme zum Ausdruck bringen? Eine echte Herausforderung!

Ich kann sehr wahrscheinlich nicht an der Beerdigung teilnehmen. Der Beerdigungscafé entfällt. Jeder Körperkontakt zu Personen, die nicht in meinem Haushalt leben, ist tabu. Ich darf nicht mal kurz klingeln und auf einen Sprung ein paar tröstende Worte sagen oder mal eben Kinder oder pflegebedürftige Angehörige betreuen. Dabei ist der Druck, der auf den Angehörigen lastet, deutlich größer als das unter „normalen Umständen“ der Fall ist. Da gilt es, kreativ werden! – Hier einige Vorschläge:

Wenn ich mein Mitgefühl ausdrücken will,

  • kann ich einen lieben Gruß senden per Brief, Telefon oder Mail…
  • Ein Blümchen aus dem Garten vor die Tür stellen – fürs Grab (mit dem entsprechenden Hinweiskärtchen daran)
  • Das Grab allein besuchen und davon erzählen, wie es mir dort ergangen ist, welche Gedanken mir durch den Kopf gegangen sind.
  • Eine Leckerei oder hübsche Kleinigkeit als Trost für zuhause an die Türklinke hängen.
  • Eine warme Suppe kochen, die bereitsteht, wenn die Trauernden vom Friedhof kommen – oder auch einfach mal so zwischendurch.
  • Ab und zu nachfragen, ob ich Besorgungen erledigen, vielleicht den Garten machen soll.
  • Vielleicht bastele ich ein Schatzkästchen oder gestalte ein Gedenkbuch für Andenken, Fotos, Anekdoten.
  • Traurigen (und oft überforderten) kleinen Kindern stecke ich ein kleines Spielzeug oder Buch zu.
  • Ich finde ein besonders aussagekräftiges Foto von dem/der Verstorbenen? Das drucke ich aus und rahme es für die „Erinnerungs­ecke“.
  • Eine schöne Geschichte oder ein passendes Gedicht oder Gebet landet nett gestaltet im Briefkasten der Trauernden.
  • Als KüchenfreundIn habe ich vielleicht ein wunderbares Rezept für ein sehr rasch zuzubereitendes Gericht, das ich zusammen mit den entsprechenden Zutaten überreichen kann…

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Auch ohne direkten Körperkontakt gilt es, mit kleinen Gesten zu zeigen „Ich denke an Dich!“

Bitte nicht: „Melde Dich, wenn ich was tun kann!“ Meist sind die Trauernden damit überfordert, von sich aus Kontakt aufzunehmen oder Wünsche zu äußern. Trauer braucht so viel Kraft und Energie!

Es ist an uns, immer mal wieder – möglichst unaufdringlich – zu zeigen: „Dieses oder Jenes könnte ich für Dich tun“. Es ist wichtig, am Ball zu bleiben und kleine Angebote zu machen. Bitte lassen Sie sich nicht entmutigen durch ein „Nein, lieber nicht. Später vielleicht.“ Nehmen sie das „Vielleicht später“ ernst!

Irgendwann werden Sie hören: Es hat gut getan, dass Du an mich gedacht hast!

Brigitte Schmitz, Gemeindereferentin – Trauerbegleiterin

(Bild: Ausstellung „Kunststück Barmherzigkeit, im Herbst 2016 in Hl. Schutzengel)